Aura-Zentrum steht vor dem Aus

LZ ⌂ @, Detmold, Monday, 19. December 2016, 08:28 (vor 1865 Tagen) @ HBM

Horn-Bad Meinberg. Im Eingangsbereich des Aura-Zentrums in Bad Meinberg steht eine Krippe mit dem schlafenden Jesuskind – ein friedliches Bild, dass sich dem Betrachter bietet. Doch der Schein trügt, denn der Einrichtung für Sehbehinderte und Blinde droht Ende Januar die Insolvenz.
Am Freitag haben der Geschäftsführer Thomas Malmberg und der Hotelleiter Matthias Kottenstedte die 28 Mitarbeiter und neun Dauerbewohner während einer Betriebsversammlung über die aktuelle Entwicklung informiert.
Malmberg: „Alle sind natürlich zutiefst erschüttert und konnten es nicht fassen. Den Mitarbeitern droht nun das berufliche Aus. Noch schlimmer trifft es allerdings unsere Dauerbewohner. Die müssten im Fall der tatsächlichen Insolvenz – wenn am 31. Januar 2017 der Schlüssel endgültig umgedreht werden sollte – nach einer neuen Bleibe suchen. Das ist umso tragischer, weil einige von ihnen keine Verwandten mehr haben und sie somit völlig auf sich alleine gestellt sind.“

Und das alles, obwohl die Geschäfte gut laufen, wie Hotelleiter Matthias Kottenstedte am Freitagnachmittag gegenüber der LZ erklärte: „Wir haben heute nach unseren regulären Betriebsferien das Haus wieder geöffnet. Montag ist großer Anreisetag, dann erwarten wir hier 80 Gäste. Damit sind wir über Weihnachten und Silvester ausgebucht. Und auch für den Januar sind wir gut nachgefragt.“
Warum dann aber das drohende Aus? Dazu Geschäftsführer Thomas Malmberg: „Es liegt nicht am laufenden Geschäft. Was uns das Genick bricht, ist der große Investitionsstau. Ständig auftretende Mängel, insbesondere an der Haustechnik einschließlich Schwimmbad, haben den zweiten Gesellschafter Herbert Klerx und mich dazu gezwungen, die zwischenzeitlich erwirtschafteten Rücklagen aufzubrauchen. Selbst der Neubau aus dem Jahre 1998 hat schon Schäden. Innerhalb von neun Monaten sind zudem neun unserer Dauerbewohner verstorben, so dass uns dadurch 60.000 Euro jährlich an Einnahmen zusätzlich fehlen.“
Das Bad Meinberger Aura-Zentrum sei somit auf die Hilfe Dritter angewiesen. Vor diesem Hintergrund hat der Geschäftsführer vorzugsweise acht Landesverbände des Blindenvereins um finanzielle Unterstützung in Form von Zuschüssen gebeten. „Der vorläufige Insolvenzverwalter Martin Schmidt aus Detmold hält eine Summe von jährlich 150.000 Euro für erforderlich – ohne Schwimmbad 95.000 Euro. Leider gibt es diese notwendige Unterstützung aber nicht, wie uns die Landesverbände inzwischen erklärt haben.“
Somit könne nur noch ein Wunder in Form eines Investors helfen. Sehbehinderten und Blinden Hilfe zu geben, sei eine gesellschaftliche Aufgabe. Thomas Malmberg: „Ich bin als Bittsteller von Pontius zu Pilatus gelaufen, überall aber nur auf Abwehr gestoßen – auch in Düsseldorf. Dort sind die Politiker einfach abgetaucht.“

Insolvenzverwalter sieht Chance
Die Situation rund um das Aura-Zentrum ist kompliziert: Eigentümer des Objekts im Oberförster-Feige-Weg 1 ist die seit 2013 insolvente Aura-Zentrum gGmbH. Die ist erst dann abgewickelt, wenn Insolvenzverwalter Martin Schmidt das Haus verkauft oder eine anderweitige Verwertung gefunden hat. Die jetzige Aura inklusive gGmbH mit den beiden Gesellschaftern Thomas Malmberg und Herbert Klerx hat das Objekt von der Aura-Zentrum gGmbH angemietet. Und auch hier ist nun Martin Schmidt zuständig – als vorläufiger Insolvenzverwalter. Die Mieterträge gehen in erster Linie an den Hauptgläubiger, die Sparkasse Paderborn-Detmold. Der jetzige Betreiber, die Aura inklusive gGmbH, hat neben den Mietzahlungen die Instandhaltungsverpflichtungen und die laufenden Kosten für das Objekt zu tragen. Martin Schmidt hat in einem Schreiben an Thomas Malmberg betont, dass der Betrieb in Zukunft kostendeckend geführt werden kann, wenn die seit 2014 begonnene Neuausrichtung weiter so konsequent umgesetzt werde.


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